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Es lebe Elisabeth!

Heute vor 40 Jahren ist Elisabeth Selbert gestorben. Wer sich jetzt fragt, wer das sein soll, der muss sich für die Wissenslücke nicht gleich schämen, denn Elisabeth Selberts größtes Verdienst liegt schon Jahrzehnte zurück. Aber: Ihr Verdienst wirkt bis heute! Und darum sollten wir ihren Namen im Gedächtnis behalten.

Elisabeth Selbert war eine der Mütter unseres Grundgesetzes. Sie gehörte zu den vier Frauen, die im Parlamentarischen Rat gemeinsam mit 61 Männern unsere Verfassung erarbeitet haben.

Ihr und ihrer Hartnäckigkeit verdanken wir es, dass die Gleichberechtigung von Frau und Mann heute als eines der Grundrechte im Grundgesetz verankert ist. Dafür musste sie nicht nur den Widerstand der Männer im Parlamentarischen Rat überwinden, sondern auch ihre Kolleginnen überzeugen.

Die „Mütter“ des Grundgesetzes – Foto ausgestellt im Haus der Geschichte, Bonn

Gleichberechtigung als Grundrecht

Als Juristin war Elisabeth Selbert bewusst: Nur wenn die Gleichberechtigung als Grundrecht etabliert ist, kann der Gesetzgeber verpflichtet werden, alle Gesetze zu korrigieren, die dem Gleichheitsgrundsatz widersprechen. Um zu zeigen, dass sie für ihre Forderung breiten Rückhalt hatte, sammelte Elisabeth landesweit Unterschriften von tausenden Frauen.

Diesen Brief, den sie als Unterstützung bekam und der im Haus der Geschichte in Bonn zu sehen ist, fand ich besonders bemerkenswert:

Mit tiefem Erschrecken und schwerer Besorgnis haben wir Frauen Kenntnis genommen von der Ablehnung des Antrages auf Gleichstellung der Frau. Die bürgerlichen Parteien, die den Antrag abgelehnt, haben damit bezeugt, wie sehr sie rückwärts gerichtet noch
in einer Vorstellungswelt befangen sind, die der Wahrheit und Wirklichkeit nicht entspricht. De facto gibt es seit Stalingrad keinen Bezirk des Lebens mehr, in welchem wir deutschen Frauen durch die Tatkraft des Mannes vor Not, Elend und Armut bewahrt geblieben wären.
Nachdem unsere Männer der Besessenheit eines Mannes zum Opfer fielen und ihm von Berlin über Paris nach Stalingrad und wieder zurück gefolgt sind und nicht die Kraft aufbrachten, den vom Machtrausch Besessenen zu zügeln und damit die Souveränität unseres Staates verspielten, unsere Städte zertrümmert, unsere Heime zerstört wurden, für Millionen Heimat und Existenzbasis verloren ging, ist de facto die Gleichstellung der Frau zur Wirklichkeit geworden. Es ist ihr nichts Menschliches und Unmenschliches mehr fremd, es ist ihr kein Schrecken erspart geblieben. Diese Wirklichkeit stellt Anforderungen an die körperliche und seelische Kraft der Frauen, die weit über das hinausgehen, was Frauen früherer Generationen je erlebten, erduldeten und leisten mussten. Fürwahr, die deutschen Frauen heute verdienen Achtung seitens des Mannes und nicht Herabwürdigung. 

Original des Briefes an Elisabeth Selbert, ausgestellt im Haus der Geschichte, Bonn

Bei den Frauen im Land war die Unterstützung für Elisabeths Forderung überwältigend und schließlich nahm der Parlamentarische Rat am 18. Januar 1949 ihren Vorschlag einstimmig in den Grundgesetzentwurf auf.

Ohne diesen Erfolg wären heutige Diskussionen etwa über den Gender Pay Gap müßig. Elisabeth Selbert hat die Grundlage geschaffen, auf der Frauen ihre Gleichbehandlung einklagen können und auch 77 Jahre später – leider – oft genug noch müssen.

Wenn ich in Lesungen zu meinem Buch „Warum haben wir keinen König?“ mit den Kindern über das Grundgesetz spreche, reden wir auch immer über Elisabeth Selbert. Und erst neulich kommentierte ein fußballbegeisterter Junge: „Früher, da haben die Männer beim WM-Sieg richtig viel Geld bekommen, und die Frauen nur ein Geschirr.“

Für Ungerechtigkeiten haben Kinder gute Antennen. Und auch wenn Fußballerinnen heute Geld statt Gedeck bekommen, ist echte Gleichberechtigung noch lange nicht überall erreicht. Bis dahin gilt:

Es lebe Elisabeth!

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Jonna Struwe Kinderbuchautorin - www.jonnastruwe.de/ - #mollytrappelunddasknack

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2 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Dieses Buch ist ja einfach wunderbar, und ich glaube, dass es auch wirklich nützlich ist. Ich habe schon von mehreren Lehrern und Lehrerinnen gehört, dass sie dieses Buch in ihrem Unterricht benutzen wollen, zum Beispiel in der vierten Grundschulklasse.
    Gerade in unserer jetzigen Zeit ist die Aufklärung und Information über Demokratie wahnsinnig wichtig! Und es ist sehr wichtig, damit auch schon wirklich früh zu beginnen. Dafür ist dieses Buch eine richtig gute Hilfe.
    Viel, viel Erfolg wünsche ich diesem Buch, der Autorin und der Illustratorin.
    Beste Grüße, Irmi

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